Zum Buch

Essays und Anmerkungen zu:

Philipp Friedrich Schütz, den in Heidelberg geköpften Dichter der Romantik

Jacob und Wilhelm Grimm, den ersten deutschen Märchenerzählern

Johann Georg August Wirth, den Vorkämpfer für Demokratie und Preßfreiheit

Heinrich Heine und andere verkannte, verbannte und verbrannte Dichter

Emma Herwegh, die Amazone der Freiheit und erste deutsche Heerführerin

Ferdinand Freiligrath, der die Parole WIR SIND DAS VOLK ausgab und Marlene Dietrich zum Weinen brachte

Paul Heyse, den vergessenen Dichterfürsten und ersten deutschen Nobelpreisträger der Literatur

Ferdinand Lassalle und Georg Herwegh, die den »Mann der Arbeit aufgewacht« und an der Macht sehen wollten

Richard Wagner, dessen Schweizer Ehrenstuhl eine fatale Sitzgelegenheit ist.

 

»Michail Krausnick ist seit Jahren bekannt als vielseitiger Autor, der Geschichten und Romane, Biografien und Sachbücher und viele Texte für Kabarett, Rundfunk und Fernsehen verfasst hat. Der in Berlin geborene, in Hannover aufgewachsene und seit Jahrzehnten in Neckargemünd nahe Heidelberg lebende Literaturwissenschaft und Soziologie hat sich besonders einen Ruf erworben durch sein Eintreten für (oft verfolgte) Minderheiten, für Verfemte und Verbannte. Für seine Biografie über DIE EISERNE LERCHE Georg Herwegh wurde er 1991 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

In diesem Bändchen versammelt Krausnick einige seiner besten Texte und Vorträge zu verfolgten, verbannten und hingerichteten Dichtern (und einer Autorin): zu Heinrich Heine und den Brüdern Grimm, zum »Mannefriedrich« Philipp Friedrich Schütz, den in Heidelberg geköpften Dichter der Romantik, der eine wichtige Rolle in Krausnicks Erfolg BERUF RÄUBER spielt (Rhein-Neckar-Zeitung 2012), zu Johann Georg August Wirth, Vorkämpfer für Demokratie und »Preßfreiheit« (Rede zur 180-Jahrfeier des Hambacher Festes), zu Ferdinand Freiligrath, der die Parole WIR SIND DAS VOLK ausgab (DIE ZEIT, 2010, und Vortrag TROTZ ALLEDEM), zum vergessenen ersten deutschen Nobelpreisträger der Literatur Paul Heyse (Rhein-Neckar-Zeitung 1973 und SWR 1974), zu Emma Herwegh, der ersten deutschen Heerführerin und Muse von Frank Wedekind (DIE ZEIT, 2004), und zu Ferdinand Lassalle und Georg Herwegh, die den »Mann der Arbeit aufgewacht« und an der Macht sehen wollten (Vortrag 2013). Besonders dieser letzte Vortrag ist eine meisterliche Verbindung von Industrie- und Revolutionsgeschichte, von Poesie und Arbeiterbewegung, der mich beim ersten Hören in Heidelberg schon begeisterte und beim Lesen fast noch intensiver wirkt. In einem Originalbeitrag für das Buch wird Krausnick persönlich, erzählt von einem Besuch bei der Familie Wille am Zürichsee, Nachfahren eines der beiden von der Hölzerlips-Bande beim Raubüberfall an der Bergstraße erschlagenen Schweizer Kaufleute, um den es in BERUF RÄUBER geht. Diese machtvolle reiche Großindustriellen- und Bankiersfamile spielte in den letzten 200 Jahren stets eine (nicht immer rühmliche) Rolle in der Schweizer und vor allem auch deutschen Geschichte, und Krausnick bekommt dies vorgeführt anhand vieler Briefe, Porträts und Devotionalien – er darf sogar Platz nehmen auf Richard Wagners »Ehrenstuhl«, einer »fatalen Sitzgelegenheit«, auf der u. a. Georg Herwegh, aber auch der junge Hitler saßen ... Wie Krausnick hier sinnvoll Information mit Gedanken über Politik, Ethik und menschliche Schwächen verbindet, wie er mit lakonischen persönlichen Bemerkungen seine Wut spüren lässt über Mächtige und Reiche, die die Welt nach ihrem Gusto gestalten wollen, wie aus einer kleinen biografischen Notiz eine Abrechnung wird mit der dem Wahn der Willes und anderer Großkopfeten – das ist meisterliche poetische Prosa.

Jeder der beiden letztgenannten Texte, der über den Ehrenstuhl und der Vortrag über Lassalle und Herwegh, wäre es alleine Wert, dieses Buch zu lesen. Die anderen Texte stehen ihnen kaum nach und machen aus dem Band ein ebenso unterhaltsames wie lehrreiches Lesevergnügen.«

Friedhelm Schneidewind, amazon-Kritik, 25. Juni 2013

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